Bei Vorträgen wurde zum Beispiel erklärt, welche Zuschreibungen von Behinderung es gibt. Zum Beispiel medizinische oder soziale.  Diesen Teil hat bei allen Vorlesungen und Seminaren, bei denen wir dabei waren,

die begleitende Assistentin gemacht.

Sie hat selbst keine Behinderung. Dieser Theorie-Teil fand immer vor dem Erzähl-Teil der Bildungs-Fachkräfte statt.

Bei einem Seminar hat die Bildungs-Assistentin

am Anfang ihres Vortrags gesagt:

„Und da hab ich Euch einen kleinen Theorie-Input mitgebracht,

um erstmal deutlich zu machen, warum das halt so ein wichtiges Thema ist.

Und leider müssen wir uns dafür ein paar Gesetzestexte angucken,

die aber unserer Meinung nach sehr aussagekräftig sind.“

Die Bildungs-Assistentin macht einerseits deutlich, dass der Theorie-Input wichtig ist. Andererseits sagt sie: „Leider müssen wir uns ein paar Gesetze angucken“. 

 

Die Studierenden lernen in einem Theorie-Vortrag zuerst etwas über Gesetze.​ Danach kommen sie in Kleingruppen mit den Bildungs-Fachkräften zusammen. Und dabei erfahren sie etwas über das Leben der Bildungs-Fachkräfte.

In unserer Forschung haben wir hierüber diskutiert und uns gefragt:  

  • Wie kommt es, dass Theorie und Lebens-Erfahrungen so getrennt in den Seminaren vorkommen?

  • Warum taucht das Wort „leider“ in Verbindung mit den Gesetzen auf?

  • Warum wird die Theorie nicht von den Bildungs-Fachkräften vorgetragen? 

 

Es gibt zwar keine eindeutigen Antworten darauf. Aber aus unserer Forschung können wir uns mögliche Erklärungen dafür vorstellen: 

 

Es ist für die Lehre an Hochschulen normal, dass Theorie vermittelt wird.

Das erwarten die Studierenden auch. Einige haben das in den Gruppen-Diskussionen angesprochen. Wenn Theorie in Seminare eingebaut wird,

ist das eine Möglichkeit partizipative Lehre zu „normalisieren“.

(Trilemma der Inklusion). 

 

In Gesetzen gibt es oft schwierige Wörter.

Viele Menschen finden es schwierig, solche Gesetzes-Texte zu erklären und zu verstehen. Das geht auch Studierenden manchmal so.

Vielleicht sagte die Bildungskoordinatorin deshalb „leider“.

Weil sie vermutet, dass Gesetze und Theorien manchmal kompliziert

und anstrengend sind.

Das kann auch ein Grund dafür sein, warum die Bildungs-Fachkräfte

diesen Teil der Lehre nicht übernehmen. Sie überlassen das lieber der Bildungs-Koordinatorin. Diese Arbeits-Aufteilung finden sie gut.

Das sagten sie auch in einer Besprechung der Forschungs-Ergebnisse.