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Auswirkungen Partizipativer Lehre

Diese Inhalte sind vom

ParLink-Team Leipzig

In der Partizipativen Lehre geben die Bildungsfachkräfte ihr Wissen weiter.

 

Das heißt:

 

  • sie sprechen über ihre Erfahrungen > 

  • sie geben theoretisches Wissen weiter > 

 

 

Durch das Weitergeben von unterschiedlichem Wissen hat die Partizipative Lehre auch unterschiedliche Effekte. Das heißt, sie wirkt sich auf alle Beteiligten aus. Und sie verändert etwas.

 

In unserer Forschung sehen Bildungsfachkräfte, Studierende, Dozierende und Berufserfahrene verschiedene Auswirkungen und Veränderungen:

 

1. Auswirkungen auf das Leben und Lernen an der Hochschule

 

Durch Partizipative Lehre kann sich das Leben an den Hochschulen verändern. Denn durch Partizipative Lehre lernen und lehren mehr unterschiedliche Menschen an den Hochschulen als bisher. Die Studierenden finden, dass die Hochschulen dadurch offener werden. Und dass es dadurch mehr persönliche Kontakte gibt:

 

„Ich zieh viel lieber meine Kopfhörer raus, wenn ich in den Gängen

spaziere. Also seit zwei drei Wochen empfinde ich die Fakultät viel offener.“

                                                                                          

                                                                                            >> Aussage einer Studentin

 

Auch die Lehre verändert sich. In der Partizipativen Lehre werden die Inhalte für alle Teilnehmenden verständlich vermittelt. Die Bildungsfachkräfte arbeiten in 

Dadurch können die Studierenden intensiver begleitet werden.

 

Und jede Person darf sich in den partizipativen Seminaren mit ihren eigenen Erfahrungen einbringen. Dadurch finden die Studierenden die Lehre aktivierender:

„Normalerweise halten sich die Dozenten und Dozentinnen immer

sehr zurück. Sie haben Angst, dass sie uns sonst beeinflussen. Die Bildungsfachkräfte sind jedoch voll präsent und immer dabei. Das hilft uns sehr weiter.“

                                                                                            

                                                                                            >> Aussage einer Studentin

 

2. Auswirkungen auf die Berufs-Perspektive

 

Partizipative Lehre kann eine Chance für die berufliche Entwicklung von Menschen mit Behinderungs-Erfahrung sein. Die Bildungsfachkräfte können sich an der Uni außerhalb der Werkstatt beruflich weiterentwickeln:

 

„Wir haben die Chance bekommen, aus der Werkstatt rauszu-

kommen. Ich musste mich überwinden, dass ich das hinkriege und dann hab ich gesagt: Ich geh hier anfangen! [...] Und ich hoffe, dass ich nicht in die Werkstatt zurück muss, weil ich hier besser aufgehoben bin.“

                                                                               

                                                                              >> Aussage einer Bildungsfachkraft

 

Die Bildungsfachkräfte werden zu Dozenten und Dozentinnen ausgebildet und können anderen ihr Wissen weitergeben. Für manche ist das eine Berufung und eine berufliche Perspektive, die gut zu ihren Eigenschaften und Stärken passt:

 

„Das ist irgendwie die Berufung, die ich schon immer machen

wollte. Weil ich mag immer Sachen gern lernen, weil ich sehr wissbegierig bin. Und ich möchte anderen Leuten mein Wissen weitergeben: Was für Sachen sie anders machen können oder welche Sachen ich schon in meinem Leben durchlebt habe - eben zu lehren.“

 

                                                                             >> Aussage einer Bildungsfachkraft

 

3. Auswirkungen auf die Sicht-Weisen auf Menschen mit Behinderungs-Erfahrung

 

Durch Partizipative Lehre werden Menschen mit Behinderung anders wahr-genommen als bisher. Manche Menschen denken, Menschen mit Behinderung gehen immer in die Sonderschule und danach in die Werkstatt zum Arbeiten. Und sie denken, Menschen mit Behinderung können nicht so viel. Durch Partizipative Lehre werden diese Sicht-Weisen verändert. Die Studierenden sehen: Menschen mit Behinderung sind nicht nur in der Sonderschule und dann in der Werkstatt, sondern sie arbeiten an der Uni als Dozierende:

 

„Wir gehen an die Hochschulen und erzählen über unsere Lebens-

wege und da brechen wir ja dieses Schubladen-Denken auf.“

 

                                                                             >> Aussage einer Bildungsfachkraft

 

4. Auswirkungen auf den Abbau von Barrieren

 

Barrieren können dazu führen, dass Menschen mit Behinderungs-Erfahrungen nicht so gut an der Gesellschaft teilhaben können. Partizipative Lehre kann helfen, dass diese Barrieren sichtbar werden. Indem sie sichtbar werden, kann man sie auch besser abbauen. Und die Sichtbarkeit der Barrieren kann helfen, dass sie gar nicht erst entstehen.

 

Zum Beispiel sprechen in der Partizipativen Lehre Bildungsfachkräfte darüber, was sie in ihrer Schul-Zeit erlebt haben. Und sie sprechen darüber, wo sie sich benachteiligt gefühlt haben und wo sie Barrieren erlebt haben. Das kann dann den Studierenden dabei helfen, Barrieren zu erkennen und sie abzubauen:

 

„Was hat mich in meiner Schul-Laufbahn gestört, was hat mich

aufgehalten, was hat mir total geholfen – ein Austausch darüber kann das Denken von Studierenden verändern.“

                                                                                         

                                                                                         >> Aussage eines Dozenten

 

5. Auswirkungen auf gesellschaftliche Teilhabe

 

Partizipative Lehre hat auch Auswirkungen auf gesellschaftliche Teilhabe.

Zum Beispiel kommen in den partizipativen Seminaren Menschen mit und ohne Behinderungs-Erfahrung in Kontakt. In unseren Gruppendiskussionen wird häufig gesagt, dass dieser Kontakt gut ist. Denn dadurch lernen sich Menschen kennen. Und Menschen ohne Behinderungs-Erfahrung erleben, wie wichtig Teilhabe ist. Und sie möchten etwas dafür tun, dass unsere Gesellschaft offener wird und alle Menschen teilhaben können:

 

„Einen Kontakt halte ich für sehr wichtig, der halt alltäglich durch

partizipative Lehre passieren kann.“

                                                                                          

                                                                                           >> Aussage eines Dozenten

 

 

 

„Also wenn man hier auf dem Campus hin und her läuft,

dann kriegt man ja das Gefühl, dass das funktioniert. Und dass das etwas ist, was akzeptiert wird.“

                                                                                          

                                                                                           >> Aussage eines Dozenten

 

Aber Partizipative Lehre kann auch eine Gefahr für Teilhabe sein. Zum Beispiel, wenn Menschen mit Behinderungs-Erfahrung in den Hochschulen als Anschauungs-Objekt dienen. Anschauungs-Objekt heißt, dass sie von den Studierenden wegen ihrer Behinderung angeschaut werden. Das kann dazu führen, dass die Studierenden nur die Behinderung der Bildungsfachkräfte sehen. Und dass sie nicht das hören, was die Bildungsfachkräfte zu sagen haben.

 

„Es war für mich erst komisch, weil ich nicht als Anschauungs-

objekt dienen wollte. Sondern ich wollte, dass dem was ich sage oder auch was ich vermittle eine Wertschätzung entgegengebracht wird. Ich wollte, dass es darum geht, was ich vermitteln will.“

                                                                             

                                                                              >> Aussage einer Bildungsfachkraft